Bewerbung

Foto: Maximilian von Lachner

„Unsere Bewerber müssen an beiden Enden für den Fotojournalismus entflammt sein!“

In jedem Jahr gibt es unzählige Nachfragen, wie das Auswahlverfahren für den Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie aussieht. Fotostudenten.de hat dazu ein Interview mit den Fotoprofessoren geführt, um hoffentlich alle Unklarheiten zu beseitigen. Weitere Informationen zu den formalen Studienvoraussetzungen und zur Bewerbung insbesondere zu benötigten Zeugnissen und Dokumenten gibt es hier: http://f3.hs-hannover.de/startseite/studieninteressierte/studienvoraussetzungen/index.html


Fotostudenten.de:  Was sind die Voraussetzungen, um sich für einen Studienplatz bewerben zu können?
Professor Lars Bauernschmitt: Der Bewerber muss Abitur, Fachabitur, oder einen gleichwertigen anerkannten Abschluss nachweisen. Daneben muss er eine Mappe mit Arbeitsproben einreichen.

Fotostudenten.de: Wie viele Studierende nimmt der Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie pro Jahr auf?
Prof. Bauernschmitt: Zurzeit sind es etwa 35-40 Studierende (Stand 2014). Es bewerben sich jedoch drei bis viermal so viele.

Fotostudenten.de: Gibt es eine Mappenberatung?
Prof. Bauernschmitt: Die Mappenberatungstermine sind hier auf der Webseite zu finden. Zum Zeigen bei diesen Terminen sind einfache Laserprints auf A4 ausreichend.

Fotostudenten.de: Wie läuft das Bewerbungsverfahren ab?
Prof. Bauernschmitt: Man bewirbt sich mit einer Mappe jeweils bis zum 15. März eines Jahres. Wird die Mappe angenommen, wird man zur Prüfung eingeladen und bekommt eine Hausaufgabe, die man zur Prüfung mitbringen muss. Die Prüfung besteht aus einem Kolloqium und Foto– sowie Gestaltungsaufgaben. Mit mindestens fünf Punkten kann man sich um einen Studienplatz bewerben und bekommt dann etwa im Juli/August den endgültigen Bescheid.

Fotostudenten.de: Welche formalen Kriterien sind bei der Mappe zu beachten? Wie viele Fotos sollten mindestens beziehungsweise höchstens in der Mappe sein?
Prof. Bauernschmitt: Die Mappe sollte zeigen, dass man sich eben gerade für unser enges Kernprofil in der Ausbildung interessiert, den Fotojournalismus. In der Bewerbungsmappe möchten wir mindestens drei Bildstrecken sehen. Unter Bildstrecke verstehen wir die Reportage, den Essay oder die Serie. Es sollte aber mindestens eine Reportage (können auch mehrere sein) darunter sein und die sollte in irgendeiner Weise von Menschen erzählen. Die anderen Bildstrecken können sich mit Architektur, Portrait, Landschaft usw. auseinandersetzen. Wichtig ist uns aber immer, dass jede Arbeit eine thematische Klammer besitzt. Je nach Größe des Themas sollten die drei Arbeiten aus jeweils 10-20 Fotos bestehen. Jeder Arbeit sollte eine Textseite vorangestellt werden, aus der wir in drei, vier Sätzen das Thema erklärt bekommen. Als Mappengröße hat sich das Format von etwa 30×30 cm bewährt. Das können wir bei der Durchsicht gut handhaben und auf quadratischen Seiten kann man Hoch- und Querformate in gleicher Größe präsentieren. Vorn und hinten ein stärkerer Deckel, alles gehalten durch eine Ringbindung. Wer es edler will, dem steht es frei, auch mehr in die Mappe zu investieren. (Weitere formale Kriterien zur Bewerbung gibt es hier)

Fotostudenten.de: Wie ist es mit unterschiedlichen Medien in der Mappe? Müssen Fotostudenten auch Zeichnungen dabei haben?
Prof. Bauernschmitt: Mit Abstand die meisten Bewerber zeigen in ihrer Mappe ausschließlich Fotografien. Es gibt viele hervorragende Fotografen, die nicht zeichnen können. Wer gut Zeichnen kann, dem steht es natürlich auch frei, Zeichnungen in seine Mappe zu tun.

Fotostudenten.de: Dürfen digitale Daten auf CD eingereicht werden?
Prof. Bauernschmitt: Nein, digitale Bildträger akzeptieren wir nur bei bewegten Bildern wie Multimediareportagen oder Filmen.

DSC_2634_

Foto: Maximilian von Lachner

Aufnahmeverfahren

Fotostudenten.de: Ist die Mappe angenommen, wie geht es dann weiter?
Prof. Karen Fromm: Nach der Sichtung der Bewerbungsmappen laden wir 60-80 Bewerber zur künstlerischen Eignungsprüfung ein. Mit der Einladung bekommen die Bewerber eine Hausaufgabe gestellt, die sie mit fotografischen Mitteln lösen können. Diese Arbeit muss zur Eignungsprüfung mitgebracht und in einem Kolloqium präsentiert werden. Neben dem Kolloqium gibt es noch drei weitere Aufgaben, von denen zwei gelöst werden müssen. Am späten Nachmittag wird allen Bewerbern die erreichte Punktzahl bekanntgegeben. Bestanden hat man mit fünf Punkten, jedoch bedeutet dies nicht zwangsläufig die Erringung eines Studienplatzes. Darüber entscheidet die Punktetabelle aller geprüften Kandidaten.

Fotostudenten.de: Wie läuft die Aufnahmeprüfung ab? Kann man da fotografieren?
Prof. Fromm: Wir stellen den Bewerberinnen und Bewerbern drei Aufgaben, von denen zwei abgegeben werden müssen. Zwei Aufgaben sind fotografische Arbeiten, eine weitere in der Regel eine Collage. Die fotografischen Aufgaben können bei uns auf einem Laserdrucker ausgedruckt werden.

Fotostudenten.de: Welche Kriterien sind bei einer Bewerbung wichtig? Was erwarten Sie von den angehenden Fotostudenten?
Prof. Fromm: Wir erwarten von den angehenden Studenten vor allem Leidenschaft für das Geschichtenerzählen in Bildern. Für Bewerber, die sich fotografisch noch selbst finden müssen, also nicht wissen, ob nun Werbung, Kunst, Mode oder Architektur ihr Themenfeld sein soll, ist bei uns im Prinzip kein Platz. Die sollen lieber an eine breiter aufgestellte Hochschule gehen, wie zum Beispiel Bielefeld, Dortmund oder Mainz. Wir wollen weiterhin Engagement, soziale Kompetenz und gesellschaftliches Interesse.

Studium

Fotostudenten.de: Und was bietet die Hochschule Hannover dafür?
Prof. Fromm: Ein engagiertes Fototeam aus technischen Angestellten und Hochschullehrenden, ein traumhaft schönes Hochschulgebäude mit hohem technischen Standard in Werkstätten und Studio, viele Ausstellungs- und Drittmittelprojekte für Redaktionen und Unternehmen mit Aufnahmeorten rund um den Erdball, ein stark an der beruflichen Realität ausgerichtetes Studium und alle zwei Jahre eine einwöchige Auslandsexkursion und das Lumix Festival für jungen Fotojournalismus mit Teilnehmern aus der ganzen Welt.

Fotostudenten.de: Wie viel Zeit verbringen die Studenten an der Hochschule, wie viel bleibt ihnen um fotografieren zu gehen?
Prof. Fromm: Das kann ich nicht so genau sagen und hängt auch von den Semestern ab. Ein ganzer Wochentag pro Woche sollte aber immer komplett frei sein von Hochschul-Terminen.

Foto: Maximilian von Lachner

Fotostudenten.de: Lässt sich das Studium mit einem Nebenjob vereinbaren?
Prof. Michael Trippel: Das hängt von den Arbeitszeiten ab. Aber viele Studenten haben Nebenjobs, also scheint es irgendwie zu gehen. Mit dem neuen Curriculum haben wir die Verdichtung des Studiums etwas entschärft und die Zahl der benoteten Seminare erheblich verringert.

Fotostudenten.de: Welche Kosten kommen auf die Studenten zu?
Prof. Trippel: Die Verwaltungsgebühren betragen rund 400,00 Euro pro Semester, in denen dann aber eine Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr inklusive ist. Zudem muss man für diesen Zeitraum mit 100-150 Euro für Material usw. rechnen. Ab dem siebten Semester nach Überschreiten der Regelstudienzeit fallen zusätzlich Langzeitstudiengebühren von 500,00 Euro pro Studiensemester an.

Fotostudenten.de: Ist das Bachelor-Pensum innerhalb der Regelstudienzeit von 8 Semestern zu schaffen?
Prof. Trippel: Theoretisch ja, praktisch ist das aber nicht sinnvoll. Wie viele Professorenkollegen rate ich davon ab. Wer nach dem Studium als halbwegs kompletter Fotograf in den Markt will, der sollte sein Studium – sofern er sich das leisten kann – nicht im Schweinsgalopp absolvieren. Schließlich gehört auch so etwas wie persönliche Reife zu einem erfolgreichen Fotografen. Ich würde die Hochschule erst dann verlassen, wenn ich mich fit fühlen würde für das, was mich draußen erwartet.

Aussichten

Fotostudenten.de: Wie sind die späteren Berufsaussichten für junge Fotojournalisten? Wo landen die Absolventen?
Prof. Trippel: Das hängt ganz stark von einem selbst ab. Die meisten arbeiten später als freiberufliche Fotografen und diejenigen, die schon das Studium ernst genommen haben und engagiert waren, die kommen auch als freie Fotografen zurecht. Einige gehen auch in Bildredaktionen, wie z.B. die der F.A.Z. oder beim Cicero. Letztlich haben wir auf dem Markt zu viele Fotografen und nur Qualität in der Fotografie und der Selbstvermarktung bieten einigermaßen Sicherheit, trotzdem klar zu kommen.

Fotostudenten.de: Gibt es ein Praktikumssemester? Welche Möglichkeiten gibt es da für die Studenten des Studienganges Fotojournalismus und Dokumentarfotografie?
Prof. Trippel: Ein Praktikum ist Pflichtteil unseres Studiums. Wir haben bislang Kooperationen mit der F.A.Z. in Frankfurt, dem Weser Kurier in Bremen, eine Zusammenarbeit mit dem Bundespresseamt in Berlin, dem Multimedia-Produktionsstudio 2470media in Berlin, und der HAZ in Hannover. Hier können Studenten 6 Monate lang als Redaktionsfotografen ein Praktikum absolvieren. Natürlich reichen diese Praktikumsplätze nicht für alle unsere Studenten. Einige wollen auch lieber in Bildredaktionen, Fotoagenturen oder Museen zum Praktikum (z.B Kooperationen mit GAF, Sprengel Museum, Hochschule Bremen, Geo, Spiegel, Geolino). Die anderen müssen sich ihr Praktikum selbst organisieren.

Fotostudenten.de: Bestehen Partnerschaften mit Hochschulen im Ausland?
Prof. Trippel: Fotojournalismus funktioniert global. Fotografen und Bilder sind auf der ganzen Welt unterwegs. Unsere Studierenden haben für ihre Geschichten immer schon eine hohe Auslandsmobilität gehabt und bei uns studieren über 20 % ausländische Studenten. Da war es eine konsequente Entscheidung, dass wir mit dem Sommersemester 2017 eine Internationale Klasse mit einem englischsprachigen Lehrprogramm eingerichtet haben. Im Zuge der Vorbereitungen für die Internationale Klasse haben wir unser internationales Netzwerk ausgebaut und eine Vielzahl neuer Partnerschaften mit inner- und außereuropäischen Hochschulen eingerichtet. Diese ermöglichen es unseren Studierenden während eines Auslandssemesters nicht nur ein anderes Land, eine andere Kultur und andere Studierende  kennenzulernen und zu fotografieren, sondern auch von einer herausragende Fotografie-Ausbildung an einer anderen Hochschule zu profitieren.

Weitere Informationen zu den Studienvoraussetzungen und zur Bewerbung gibt es hier: http://f3.hs-hannover.de/startseite/studieninteressierte/studienvoraussetzungen/index.html

Comments are closed.