Foto: Jakob Schnetz

Foto: Jakob Schnetz

„Sind wir was wir sind“ – Abschlusspräsentationen und Ausstellung

Was hat uns geprägt und wonach streben wir? Zwölf Absolventinnen und Absolventen im Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie der Hochschule Hannover hinterfragen im Sommersemester 2018 in verschiedenen fotografischen Ansätzen zum einen den Status quo unserer Gesellschaft, zum anderen auch die Herausforderungen, die das Leben an uns alle stellt. Das Themenspektrum ihrer Bachelor-Ausstellung Sind wir was wir sind reicht dabei von der Auseinandersetzung mit sozialen und kulturellen Prägungen bis hin zu einer persönlichen Betrachtung der menschlichen Psyche.

Vom beruflichen Streben der “Ressource Mensch” in einer wachstumsbasierten Ökonomie erzählt die fotografische Arbeit PPT – People Place Technology von Jakob Schnetz. Sie wirft einen kritischen Blick auf den Arbeitsalltag in mittelständischen Unternehmen und Großkonzernen des tertiären und quartären Sektors, die progressiv die kapitalistische Arbeitswelt der Zukunft gestalten. “Arbeit” befindet sich seit der Digitalisierung im nächsten epochalen Umbruch seit der Industrialisierung.

Foto: Patricia Kühfuss

Foto: Patricia Kühfuss

Bei Patricia Kühfuss’ fotografischer Arbeit Nicht müde werden steht im Gegensatz dazu der Alltag von deutschen Pflegekräften im Vordergrund, die als Folge der zunehmenden Gewinnorientierung der Krankenhäuser den Balanceakt zwischen wirtschaftlichem Druck und Menschlichkeit an vorderster Front meistern müssen.

Foto: Dennis Welge

Foto: Dennis Welge

Der Dokumentarfilm ich bin. von Dennis Welge zeigt Jérôme in seinen zwei Welten, die nicht vereinbar scheinen. Auf der einen Seite ist er Lebensgefährte und Vater – auf der anderen Seite Pornodarsteller. Wo ist die Verbindung zwischen anrüchiger Freizügigkeit und liebevoller Verantwortung? Wo die zwischen Jason Steel und Jérôme Schmoll? Der eine spielt im Film die Nebenrolle, der andere aber versucht, „Normalität“ zu schaffen.

Foto: Claudio Verbano

Foto: Claudio Verbano

Claudio Verbano reiste für Toxic Trade nach Tansania. Fremdbestimmt durch die politische und wirtschaftliche Lage des Landes und in der Hoffnung auf finanzielle Stabilität setzen sich dort tausende Menschen lebensbedrohlichen Bedingungen bei der Arbeit in illegalen Goldminen aus. Der unkontrollierte Einsatz von Quecksilber hat schwere Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt.

Foto: Julius Matuschik

Foto: Julius Matuschik

Sehnsucht und das Streben nach einem besseren Leben sind ebenso Thema in der Abschlussarbeit von Julius Matuschik, der für Erayhin – Die, die gegangen sind Geflüchtete und Asylbewerber aus Nordafrika traf, die in Deutschland unter dem pauschalisierenden Begriff „Nafri“ bekannt wurden. Die Hintergründe und Motivationen zum Aufbruch nach Europa und für das Verlassen des Heimatlandes sind dabei so vielfältig wie die Menschen selbst.“

Foto: Werner, Hansen und Stolzenwald

Foto: Werner, Hansen und Stolzenwald

Heiter bis wolkig hingegen ist die Suche nach dem vermeintlich Alltäglichen. Christian Werner, David Carreno Hansen und Sven Stolzenwald zeigen, dass Deutschland neben Bier und 99 Luftballons auch noch Autobahn und Wurst zu bieten hat. Ihre Suche nach dem Superlativ des Banalen wird durch Porträts der statistischen Durchschnittsbürger Sabine und Thomas Müller ergänzt.

Foto: Franziska Gilli

Foto: Franziska Gilli

Welches Bild von Normalität darf und sollen Medien verbreiten? In Bambola setzt sich Franziska Gilli mit dem Frauenbild im italienischen Fernsehen auseinander, in dem seit über 30 Jahren Showgirls lasziv und leicht bekleidet durch die TV-Programme tanzen. Die Fotoarbeit bewegt sich entlang der Kontraste zwischen Männer- und Frauenbild, Show und Realität sowie Maske und Verletzlichkeit.

Foto: Leona Ohsiek

Foto: Leona Ohsiek

Weltweit existent ist die jeweilige Kernproblematik der letzten drei Arbeiten, die von individuellen Schicksalen ausgehend erzählt werden. Wie schmal der Grat zwischen Selbstbeherrschung und Beherrschung in Bezug auf Sucht sein kann, macht Leona Ohsiek in ihrer Arbeit Beherrsche mICH beherrsche dich deutlich. Sie begleitete eine glücksspielsüchtige Mutter, einen alkoholabhängigen Mann, eine esssüchtige Frau und eine junge Schülerin, die mit ihrer Abhängigkeit von Cannabis kämpft, und zeigt mit ihrer Fotografie, wie sich ein Alltag mit der Krankheit gestaltet.

Foto: Katharina Bauer

Foto: Katharina Bauer

Dänemark gilt als “World’s happiest Country”, verzeichnet jedoch auch eine der größten Raten an verschriebenen Antidepressiva. In ihrem Social Action Projekt Can you see the green – really see it? hat Katharina Bauer mit verschiedenen dänischen Protagonisten, die mit Depressionen leben, zusammengearbeitet. Durch den kulturell offenen Umgang mit psychischen Krankheiten war es möglich, durch Fotografie einen therapeutischen Ansatz zu finden.

Foto: Sina Niemeyer

Foto: Sina Niemeyer

Sina Niemeyer beschreibt in ihrer Arbeit Für mich. / A Way Of Reconciliation den Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch. Zielstrebig führt sie durch das emotionale Chaos dieses Traumas und schafft so nicht nur ein tieferes Verständnis für Außenstehende, sondern auch eine Plattform für andere Betroffene. Durch den Einsatz unterschiedlicher medialer und künstlerischer Techniken soll ein gesamtgesellschaftlicher Diskurs unterstützt werden, der dieses marginalisierte Thema auf die globalpolitische Agenda rückt.

Mit dem Blick in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft gerichtet, stellen diese Arbeiten die so einfache wie komplizierte Frage: Was sind wir? Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung werden dazu eingeladen, ihre ganz eigenen Antworten zu finden.

Datum Vernissage: 27.06.2018 um 19 Uhr; Öffnungszeiten: 28.06.2018 bis 08.07.2018 täglich von 12 bis 18 Uhr

Ort Galerie für Fotografie (GAF), Seilerstraße 15d, 30171 Hannover

Die Präsentationen der Abschlussarbeiten sind öffentlich:
Datum: Dienstag, 26.06.2018
Ort: Hörsaal, Expo Plaza 2, Hannover
11:00-11:30 Claudio Verbano
11:30-12:00 Patricia Kühfuss
12:00-12:40 Christian Werner, David Carreño Hansen und Sven Stolzenwald
12:40-13:30 Pause
13:30-14:00 Jakob Schnetz
14:00-14:30 Julius Matuschik
14:30-15:00 Franziska Gilli

Mittwoch, 27.06.2018
Ort: Hörsaal, Expo Plaza 2
09:30-10:00 Leona Ohsiek
10:00-10:30 Dennis Welge
10:30-11:00 Pause
11:00-11:30 Sina Niemeyer
11:30-12:00 Katharina Bauer
12:00-12:30 Corinna Guthknecht (Master-Präsentation)
Ort: GAF, Seilerstraße 15d
14:00-16:00 Kolloquien
19:00 Vernissage

Kontakte der ausstellenden Fotografinnen und Fotografen:

Katharina Bauer
www.katharinabauer.net

David Carreno Hansen
www.carrenohansen.com

Franziska Gilli
www.franziskagilli.com

Patricia Kühfuss
www.patriciakuehfuss.com

Julius Matuschik
www.juliusmatuschik.de

Sina Niemeyer
www.sinaniemeyer.com

Leona Ohsiek
www.leona-ohsiek.de

Jakob Schnetz
www.jakobschnetz.de

Sven Stolzenwald
www.svenstolzenwald.de

Claudio Verbano
www.claudioverbano.com

Dennis Welge
www.denniswelge.com

Christian Werner
www.c-werner.net