In der Polizeiakademie Nienburg probieren die Polizeianwärterinnen zum ersten Mal ihre Uniform an. Foto: Jana Mai

In der Polizeiakademie Nienburg probieren die Polizeianwärterinnen zum ersten Mal ihre Uniform an. Foto: Jana Mai

Polizei. Täglich. Technik.

Je nach Standpunkt sind sie für die Einen coole Ermittler im Dienste der Schwachen und für die Anderen prügelnde Rambos in Uniform. Jeder glaubt zu wissen, wie sie arbeiten und wie ihre berufliche Wirklichkeit aussieht – meist ohne dass dieses Bild von mehr geƒtragen wäre, als der Betrachtung der Darsteller im sonntäglichen Tatort. Wie Polizeialltag in Niedersachsen tatsächlich aussieht, beobachteten 22 Studierende der Studiengänge Fotojournalismus und Dokumentarfotografie sowie Journalistik fast zwei Jahre lang.

Hans-Joachim Meyer entdeckt ordnungswidrig entsorgten Müll. Ein Fall für das Ordnungsamt. Foto: Patrick Junker

Hans-Joachim Meyer entdeckt ordnungswidrig entsorgten Müll. Ein Fall für das Ordnungsamt. Foto: Patrick Junker

Sechs Jahre nach dem deutschlandweit beachteten Projekt Hellfeld über die Arbeit der Polizei Hannover im Jahr 2011 erstellten die Studierenden jetzt die niedersachsenweite Fortsetzung, die ab heute bis zum 19. November 2017 in der Kunsthalle Faust gezeigt wird, bevor die Ausstellung im Anschluss als Wanderausstellung in ganz Niedersachsen zu sehen sein wird. Wie schon das Vorgängerprojekt 2011 war auch dieses Projekt sowohl für die Studierenden als auch für die Polizeibeamten eine professionelle Grenzerfahrung. Die Dauer des Projektes und die dabei unvermeidlich entstandene persönliche Nähe entlarvte Vorurteile – auf beiden Seiten. Es waren die eigenen Bilder im Kopf, die im Laufe von Jahren als Ergebnis flüchtiger Begegnungen, zum Teil unter Extrem-Situationen, entstanden waren, in der persönlichen Begegnung einer Überprüfung dann aber meist nicht mehr standhielten. Für die angehenden Foto- und Wortjournalistinnen war dieses Projekt auch deshalb eine Herausforderung.

Polizeikommissar Rudolf

Polizeikommissar Rudolf „Rudi“ Neumann im Raum für Anzeigenaufnahme. Foto: Florian Thoss

Die Fotografinnen und Fotografen waren im Auftrag der Polizei tätig um deren Arbeit zu beobachten und diese aus der jeweiligen Situation heraus in eigene Bilder zu übersetzen. Diese Fotos sind Public-Relations-Fotos. Dies entspricht einem normalen Auftrag, wie ihn Fotografen erhalten, die mit journalistischen Stilmitteln sowohl für Zeitungen und Zeitschriften, aber auch für Unternehmen und Verbände arbeiten. Die Studierenden erlebten den ganz normalen Polizei-Alltag mit Höhepunkten und Niederlagen. Getragen von kritischer Sympathie ebenso wie Offenheit und Respekt entstand im Laufe der Zeit durch die Studierenden ein sehr differenziertes Bild der Polizeiarbeit. Einer Arbeit, die die Beamten immer wieder zwingt, an persönlichen und gesellschaftlichen Grenzen zu operieren.

Spurensicherung in einer Laube nach einem Einbruch. Foto: Stefanie Silber

Spurensicherung in einer Laube nach einem Einbruch. Foto: Stefanie Silber

Die Studierenden erprobten dabei die Form der Reportagefotografie zur Darstellung eines großen Unternehmens in dessen Auftrag. Die Polizei Niedersachsen setzt mit diesem Projekt eine journalistische Fotografie so ein, wie es Unternehmen weltweit seit Jahrzehnten tun. Dieses Projekt reflektiert damit auch mediale Veränderungen. In seiner Einleitung zum Katalog der Ausstellung Hellfeld schrieb Professor Lars Bauernschmitt 2011 unter dem Titel „Werbung für die Bullen?“: „Wir erleben heute das Verschwinden der Grenzen zwischen Fotojournalismus, Werbung, Public Relations und Kunst. Ganz selbstverständlich bewegen sich Fotografinnen und Fotografen inzwischen gleichzeitig auf diesen Feldern. Die gleichen Fotos werden im Rahmen einer redaktionellen Berichterstattung in Zeitungen und Zeitschriften gedruckt, als eigene freie Projekte im Internet, in Büchern oder Ausstellungen publiziert oder zur Werbung und PR eingesetzt. Der Fotojournalismus sucht seinen Platz in den Medien. Seit Jahrzehnten bestimmt die werbetreibende Industrie die Erscheinungsbedingungen journalistischer Massenmedien. Die im Rückblick scheinbar goldenen Jahre des Fotojournalismus sind vorbei. Immer öfter wird die Krise des Fotojournalismus beschworen – die in Wirklichkeit nur eine Krise der Kreativität der Verantwortlichen in den Verlagen ist. Festivals mit zehntausenden Besuchern beweisen die ungebrochene Kraft des Mediums und das öffentliche Interesse daran. Dies ist ein Grund, weshalb Unternehmen und Verbände statt herkömmlicher Werbung immer häufiger journalistische Fotografie für ihre Selbstdarstellung benutzen und damit erfolgreich sind. Vielfach sind Unternehmen heute für Fotografen finanziell und inhaltlich sehr viel attraktivere Auftraggeber als Zeitungen und Zeitschriften, in denen Anzeigenabteilungen auf journalistische Inhalte Einfluss zu nehmen versuchen. Angehende Journalisten müssen mit dieser Situation umgehen. Ganz selbstverständlich machen Journalisten – schreibende und fotografierende – deshalb inzwischen auch PR. Doch egal, ob ein fotografierender oder schreibender Autor für die Redaktion einer Zeitung oder Zeitschrift arbeitet oder für ein Unternehmen, kein Auftraggeber und kein Honorar kann ihn entbinden von seiner Pflicht, die eigene Arbeit vor sich selbst zu verantworten. Fotografen sind in Public Relations wie auch im Journalismus ihrem Gewissen verpflichtet.“ Das galt auch hier für die Journalismus-Studierenden der beiden Studiengänge der Fakultät III.

Amtshilfe: Autobahnpolizisten bitten um Unterstützung, Polizeikommissarin Jasmin Frisch sichert eine Unfallstelle auf der B3 ab. Foto: Marta Krajinovic

Amtshilfe: Autobahnpolizisten bitten um Unterstützung, Polizeikommissarin Jasmin Frisch sichert eine Unfallstelle auf der B3 ab. Foto: Marta Krajinovic

Die Fotojournalismus- und Journalistik-Studierenden sind Autorinnen und Autoren die ihre Sicht auf die Welt visualisieren und Position beziehen zu dem was in ihrer Umwelt geschieht. Das haben sie auch hier getan und gezeigt, wie zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit jenseits klischeebefrachteter Stereotypen aussehen kann. (lb/sf) Zu der Ausstellung erscheint ein Katalog. Ausstellung geöffnet vom 03.11. bis zum 19.11.2017, donnerstags und freitags 16 – 20 Uhr sowie samstags und sonntags 14 – 18 Uhr. Ort: Kunsthalle Faust, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover http://www.kulturzentrum-faust.de

Alle zwölf bis 18 Monate wird jede Waffe gründlich überprüft. Foto: Angelina Vernetti

Alle zwölf bis 18 Monate wird jede Waffe gründlich überprüft. Foto: Angelina Vernetti

Winternacht mit Eis und Schnee: Ein Auto kommt auf der A7 von der Fahrbahn ab. Foto: Vivian Rutsch

Winternacht mit Eis und Schnee: Ein Auto kommt auf der A7 von der
Fahrbahn ab. Foto: Vivian Rutsch

Die Geschwindigkeit kontrollieren die Beamten der Autobahnpolizei Sittensen nur auf Landstraßen. Auf ihrem Autobahnabschnitt herrscht „freie Fahrt“. Foto: Timo Jaworr

Die Geschwindigkeit kontrollieren die Beamten der Autobahnpolizei Sittensen nur auf Landstraßen. Auf ihrem Autobahnabschnitt herrscht „freie Fahrt“. Foto: Timo Jaworr

Highlight für Motorradpolizisten: Eskorte für Präsident Barack Obama. Foto: Jan Philipp Oberstein

Highlight für Motorradpolizisten: Eskorte für Präsident Barack Obama. Foto: Jan Philipp Eberstein

Ruhe vor dem Einsatz. Foto: Patrick Labitzke

Ruhe vor dem Einsatz. Foto: Patrick Labitzke

Bis der Rettungswagen eintrifft: Erste Befragung noch am Tatort. Foto: Rainer Eidemueller

Bis der Rettungswagen eintrifft: Erste Befragung noch am Tatort. Foto: Rainer Eidemueller