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Das gepimpte Selbst. – Inszenierte Portraits von Auto-Tunern.

 
Das Auto ist der Deutschen liebstes Kind, und sie sind unbestritten ein autovernarrtes Volk. Nach Mama und Papa ist Auto das dritte Wort, das ein Kind spricht. 47 Millionen Personenkraftwagen bei einer Bevölkerungszahl von 82 Millionen Menschen sprechen für sich. 12.363 Kilometern Autobahn ziehen sich durch das Land, auf denen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung gefahren wird. Das Auto ist ein Symbol für Freiheit und Mobilität, ein wichtiger Teil der eigenen Identität. Es gehört zur äußeren Erscheinung, definiert viele Menschen und ist das Statussymbol schlechthin.

Stationen des Erwachsenwerdens sind fest mit dem Auto verbunden: Der bestandene Führerschein, Vaters Auto, der erste Blechschaden, das erste Knutschen im Auto, der erste eigene Wagen, Freiheit, Geschwindigkeit, Nervenkitzel, Spaß und Unabhängigkeit.

Überall auf der Welt dekorieren Menschen ihre Autos. Man denke an die umhä-
kelte Klopapierrolle auf der Hutablage, der Wackel-Dackel daneben respektive der Wankel-Elvis auf dem Armaturenbrett, der Duftbaum am Rückspiegel oder der Sylt-Aufkleber am Heck, wenn nicht vor dem Nachwuchs „Baby an Bord“ gewarnt wird.

Der englische Begriff „Tuning“ steht für „Verbessern und Optimieren“. Die Geschichte des Auto-Tunings begann in den 50er Jahren. Erste Firmen beschäftigen sich mit der Abstimmung von Motoren und der VW-Käfer war damals ein weit verbreitetes Fahrzeug und beliebtes Bastel-Objekt. Heute sind Tieferlegen, Heckspoiler, Breitreifen und riesige Soundsysteme nur der erste Schritt zum getunten Auto. Die Aufmotz-Serie „Pimp my Ride“ bei MTV oder diverse Schrauber-Sendungen bei DMAX reflektieren, wie weit verbreitet der Auto-Fetisch in Deutschland ist.

Für viele stellt das Auto den Sinn des Lebens dar, dicht gefolgt vom Fernseher. Diese Selbstdefinition bedeutet: Ich bin das Auto, das ich fahre.
Mit dem Auto kann man die persönliche Kreativität und Phantasie ausleben. Das Auto ist nicht mehr nur eine Projektionsfläche für eigene Träume, es wird zu einem Selbst. Ausstattung, Motorisierung und Farbwahl sollen den Lebensstil, und wenn es auch nur der erhoffte ist, kommunizieren.
Diese Statusverbesserung und Selbstinszenierung ist ein Kampf um Anerkennung in der Tuner-Szene und letztlich der Gesellschaft. Viele Tuner verschulden sich für ihr Auto und ihre Pseudo-Identität.

Spiegelt das Auto die jeweilige Persönlichkeit wider? Die Tuner wollen durch ihre Autos zu jemand anderem werden. Diese Wunschvorstellung zu zeigen war meine Absicht bei der Inszenierung dieser Portraits.
 
Markus Hanke, Januar 2008
 

www.markushanke.de
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