How is life?

How is life? | Hannes Jung

Erst das Leben, irgendwann der Tod. Sie eint uns alle, die Endlichkeit. Als junger Mensch gehe ich davon aus, alt zu sterben. Vielleicht krank, keinesfalls jetzt, es liegt noch vieles vor mir. Ein Suizid stellt immer die Frage nach dem Leben. Für alle, die zurückbleiben und sich überlegen müssen, warum nicht das Leben?

Litauen hat die höchste Suizidrate Europas, eine der höchsten der Welt. Proportional mehr als dreimal so viele Menschen wie in Deutschland bringen sich jährlich um, im ländlichen Raum steigt die Rate bis um das neunfache. Betroffen sind vor allem Männer zwischen 40 und 50 Jahren. Alkoholismus, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit – und natürlich viele Fälle, auf die davon wenig zutrifft. Dieses Arbeit kann und will keine soziologische Analyse über Suizide in Litauen sein. Jeder Suizid ist individuell. Kein Ausdruck von persönlicher Freiheit, sondern oft durch Hoffnungslosigkeit und Krankheit motiviert und durch äußere, soziale, umweltbedingte Faktoren beeinflusst. Seit dem 2. Weltkrieg und mit Beginn der sowjetischen Besatzung ist die Suizidrate unter Männern in Litauen bis um das 10fache gestiegen. Experten sprechen von kollektivem Trauma, Identitätsverlust. Das einzelne Schicksal ist immer mehr als eine solche Erklärung. Aus Fotografien in Kombination mit persönlichen Berichten entsteht ein fragmentarisches Bild, das bruchstückhaft, vielleicht exemplarisch etwas über das Thema Suizid, seine Ursachen und Folgen erzählt.

Vielleicht kann der Wind nicht fotografiert werden. Aber vielleicht seine Wirkung, wie er das Meer und die Bäume bewegt und verändert.

Über den Autor

Hannes Jung
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