Stipendiat Amir Valle. Foto: Daniel Rodriguez

Stipendiat Amir Valle. Foto: Daniel Rodriguez

Ausstellung: Weiterschreiben. Texte von Mut und Trauer

Schriftsteller im Exil. Darum geht es in einer künstlerischen Ausstellung im Lindener Rathaus. Hier zeigen Journalistik- und Fotografie-Studierende der Hochschule Hannover noch bis morgen Porträts von elf Stipendiaten des deutschen PEN-Zentrums. Verfolgte Autoren aus Kamerun und Tschetschenien, China und Kuba.
Reportagen und Videos, Studioaufnahmen, Texte und Audiobeiträge ergeben das Gesamtwerk. Ziel: den Autoren die Aufmerksamkeit verschaffen, die sie und ihre Geschichten verdienen.
Die feierliche Finissage, zu der auch die Stipendiaten des PEN-Zentrums eingeladen sind, ist am morgigen Montag,16. Oktober, um 18:00 Uhr im Lindener Rathaus. Es sprechen: Dr. Gabriele Heinen-Kljajic, Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Regula Venske, Präsidentin des deutschen PEN, sowie Lehrende und Studierende der Hochschule Hannover (HsH). Zur Ausstellung ist auch ein umfangreicher Katalog erschienen.

Das Kooperationsprojekt zwischen dem PEN-Zentrum Deutschland und der HsH hat das Ziel, auf das „Writers in Exile“-Programm des deutschen PEN Zentrums aufmerksam zu machen und den Stipendiaten dieses Programms eine Stimme zu geben. Ein Jahr lang arbeiteten 35 Studierende unter der Leitung der Journalistik-Professorin Dr. Gabriela Jaskulla und des Fotografie-Dozenten, Knut Giebel, mit elf Schriftstellern und Journalisten aus aller Welt zusammen, die aufgrund ihrer Wortkunst in ihren Heimatländern verfolgt und gefoltert wurden oder langjährige Haftstrafen absitzen mussten.
Im ersten Schritt wurden die Stipendiaten von einem kleinen Team von Wort- und Bildjournalisten an ihren Wohnorten in Deutschland besucht. Bei diesem Besuch lernten die Studierenden ihren Protagonisten kennen, verbrachten gemeinsam ein Wochenende und erstellten ein schriftliches Porträt und eine narrative Fotostrecke, in der das Leben in Deutschland gezeigt wird. In den Bildern und Texten wurden unter anderem Fragen nach Inspiration, Vorlieben und dem Blick in die Zukunft thematisiert.
Für den zweiten Schritt kamen die Stipendiaten in kleinen Gruppen nach Hannover. Ziel dieses Besuchs war es, die Person in fotografischen Teilprojekten näher zu beschreiben. An zwei Tagen wurden im Fotostudio der Hochschule Hannover klassische Porträts, Stillleben sowie Luminogramme erstellt, die in ihrer Bildsprache eine einheitliche Stimmung transportieren. Und: Die Stipendiaten arbeiteten mit. Aus verfolgten
Autoren, letzlich also: Objekten des Mitgefühls, wurden gleichberechtigte Partner.
Mit Stillleben zum Beispiel gelingt eine Reise in die Vergangenheit: Aus mitgebrachtem Material der Autoren soll ein Eindruck davon entstehen, wo ihre Wurzeln liegen und was sie auf der Flucht erlebt und durchgestanden haben. In einem Luminogramm sind Stipendiat und geschriebenes Werk in einem Bild vereint. Der Autor setzt dafür einen Schriftzug oder eine Zeichnung mittels einer Lichtquelle, z. B. einer Taschenlampe, in den Raum, der von der Kamera eingefangen wird. Hierbei stehen also Fotografie und Schrift nicht nebeneinander, sondern ergeben zusammen ein neues Werk.
„Das Wertvollste an dem Projekt war für mich, mit den wunderbaren Menschen zusammenzuarbeiten, die so viel erlebt haben und trotzdem so herzlich sind. Ich habe zum ersten Mal so ein großes Projekt begleitet und konnte dadurch sehr viel lernen. Die Ausstellung und der Katalog werden genau so facettenreich und bunt sein wie die Stipendiaten des PEN-Zentrums“, sagt Arne Gutknecht, der im 7.Semester an der HsH
Fotografie studiert und studentischer Koordinator des fotografischen Teils des Projekts ist.
Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine von derzeit weltweit 150 Schriftstellervereinigungen. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller. (SF)

Finissage: Montag,16. Oktober, um 18:00 Uhr im Lindener Rathaus